Satzinterpretation

Sätze und kurze Texte, die korrigiert wurden
JakeD

Satzinterpretation

Beitrag von JakeD »

;-)Moin,
ich lese hier gerade vier Sätze(ein Abschnitt im Text), bei denen ich mir nicht ganz sicher bin ob ich sie richtig interpretiere:
1. Satz: " The reality in Vietnam is that the international rules of war are not obeyed."
Meine Interpretation: " Die Realität in Vietnam ist, dass die internationalen Kriegsregeln nicht befolgt werden:"

2. Satz: "War crimes are recorded almost daily and sometimes by camermen - the burning villages, for example"
Den interpretiere ich: "Über Kriegsverbrechen wird fast täglich berichtet, manchmal von Kameramännern, die brennenden
Dörfer, zum Beispiel."

Darauf folgt der Satz:

There seems to be a predisposition on our side to no longer be able to see the Vietnamese as people
against whom war crimes can be committed.
Mein Ansatz:
Unserer Seite hat scheinbar eine Veranlagung nicht länger fähig zu sein, die Vietnamesen als Menschen zu
sehen, gegen die Kriegsverbrechen verübt werden können.

Es folgt dann der Satz: "This is the ultimate impersonalization of the war".
Den interpretiere ich: "Dies ist die ultimative entpersönlichung des Krieges."

Zusammengefasst bin ich mir nicht sicher, was genau ausgedrückt wird.
Need help...;-)

tiorthan

Re: Satzinterpretation

Beitrag von tiorthan »

JakeD hat geschrieben: 1. Satz: " The reality in Vietnam is that the international rules of war are not obeyed."
Meine Interpretation: " Die Realität in Vietnam ist, dass das Kriegsvölkerrecht nicht befolgt wird."
Der Begriff "international law" wird üblicherweise als "Völkerrecht" ins Deutsche übersetzt. Wenn "international law" alleine Steht, dann wird zwar heutzutage auch "internationales Recht" gesagt, aber diese Praxis hat sich noch nicht auf den einzelnen Teilgebieten durchgesetzt.
2. Satz: "War crimes are recorded almost daily and sometimes by camermen - the burning villages, for example"
Den interpretiere ich: "Kriegsverbrechen werden fast täglich aufgezeichnet/festgehalten, manchmal von Kameramännern die brennenden
Dörfer, zum Beispiel."
to record = aufzeichnen
Das Wort "aufzeichnen" ist auch im Deutschen besser geeignet. Ein Bericht wäre nämlich eine Weitergabe. Das wird im ursprünglichen Satz aber gar nicht ausgesagt. Wir erfahren hier zwar, dass fast täglich Aufzeichnungen stattfinden, aber nicht, wie oft tatsächlich darüber berichtet wird.

Auch die deutsche Sprache hat Gedankenstriche, und ein Komma hat nicht die gleiche Qualität.
There seems to be a predisposition on our side to no longer be able to see the Vietnamese as people
against whom war crimes can be committed.
Mein Ansatz:
Wir sind scheinbar geneigt die Vietnamesen als Menschen zu
sehen, gegen die Kriegsverbrechen verübt werden können.
Das Wort "predisposition" hier mit Veranlagung zu übersetzen verzerrt die Bedeutung zu stark.
Es folgt dann der Satz: "This is the ultimate impersonalization of the war".
Den interpretiere ich: "Dies ist die ultimative Entmenschlichung des Krieges."
Auch hier, durch den üblicherweise im Deutschen verwendeten Ausdruck ersetzt.

JakeD

Re: Satzinterpretation

Beitrag von JakeD »

Danke vielmals. Deine Interpretation des dritten Satzes macht mir die Sache klar.

JakeD

Re: Satzinterpretation

Beitrag von JakeD »

Den dritten Satz so zu verstehen, wie Du ihn erklärst bereitet mir Schwierigkeiten.
Ich habe ihn genau gegenteilig interpretiert.
Hast Du einen Hinweis, wo ich nachsehen kann um solche Aussagen besser verstehen zu können?
Danke vorab.

tiorthan

Re: Satzinterpretation

Beitrag von tiorthan »

Main Fehler, ich habe ein "nicht" vergessen:

Wir sind scheinbar geneigt die Vietnamesen nicht länger als Menschen zu
sehen, gegen die Kriegsverbrechen verübt werden können.

JakeD

Re: Satzinterpretation

Beitrag von JakeD »

Ok.
Jetzt fasse ich die 4 Sätze des Abschnitts entsprechend Deinen Ausführungen einmal zusammen:

Beginn des Abschnitts
1. Die Realität in Vietnam ist, dass das Kriegsvölkerrecht nicht befolgt wird.
2. Kriegsverbrechen werden fast täglich aufgezeichnet/festgehalten, manchmal von Kameramännern - die brennenden
    Dörfer, zum Beispiel.
3. Wir sind scheinbar geneigt die Vietnamesen nicht länger als Menschen zu sehen, gegen die Kriegsverbrechen verübt
    werden können.
4. Dies ist die ultimative Entmenschlichung des Krieges.
Ende des Abschnitts

Irgend etwas passt da doch nicht sinngemäß. Wenn wir in Satz 3- geneigt sind die Vietnamesen nicht länger als Menschen zu
sehen, gegen die Kriegsverbrechen verübt werden können - ist das doch eine gute Sache und keine Entmenschlichung.
Der vorhergehende Abschnitt hat nichts mit den Aussagen zu tun, deswegen kann da auch kein Bezug sein.

Merkwürdig.
Deine ursprüngliche Interpretation des dritten Satzes hätte genau gepasst.
Naja, den ganzen Sinn des betreffenden Buches habe ich so gut wie vollständig verstanden.
Das ist ja auch ein schöner Erfolg.

Schönen 4. Advent aus Norddeutschland

tiorthan

Re: Satzinterpretation

Beitrag von tiorthan »

JakeD hat geschrieben:Irgend etwas passt da doch nicht sinngemäß. Wenn wir in Satz 3- geneigt sind die Vietnamesen nicht länger als Menschen zu
sehen, gegen die Kriegsverbrechen verübt werden können - ist das doch eine gute Sache und keine Entmenschlichung.
Nein, das ist keine gute Sache, denn der Satz spricht über Möglichkeiten. Wann gibt es keine Möglichkeit mehr, dass gegen einen Menschen ein Kriegsverbrechen begangen werden kann?

Erst dann, wenn keine der möglichen Handlungen an einem Menschen als Kriegsverbrechen angesehen werden. Das geht aber nur, indem man diesem Menschen seine Menschlichkeit abspricht.

JakeD

Re: Satzinterpretation

Beitrag von JakeD »

Oha, da wäre ich jetzt nicht drauf gekommen!
Muss ich echt einmal mehr drüber nachdenken... :shock: